„Die Musik war meine Rettung“

Fast zweieinhalb Jahre kämpfe Andi zwischen 2004 und 2007 nach einer schweren Knieverletzung um seine Karriere. Er hat es geschafft – auch dank der Musik. Ein Gespräch über das Leben zwischen Rasen, Reha und Rock.

Andi Görlitz, ein Fußballprofi, der eine Rockprojekt ins Leben ruft, ist nicht gerade häufig zu finden. Wie kam es dazu?
Das hat mit meinen Verletzungen zu tun. Zwischen 2004 und 2007 musste ich mich insgesamt fünf Operationen unterziehen. Das heißt fünfmal Rückschläge wegstecken und sich fünfmal durch die Reha kämpfen. Das war eine harte Zeit, in der ich etwas benötigt habe, das mich ablenkte.

Das war Gitarre spielen?
(Nickt.) Genau. Mein damaliger Rehatrainer Oliver Schmidtlein hatte mir empfohlen: Kauf dir doch eine Gitarre. Das habe ich getan, dazu noch ein Lernbuch mit CD. Aber nach ein, zwei Monaten wurde es mir langweilig, nur mit der Akustikgitarre auf der Couch vor mich hinzuspielen.

Was hast Du dagegen getan?
Erst einmal drei Wochen pausiert.

Und dann?
(Lacht.) Bin ich los und habe mir eine E-Gitarre samt Verstärker gekauft.

Da werden Deine Nachbarn begeistert gewesen sein.
Ich habe im Keller gespielt und das einzige Fenster schallisoliert.

War das besser als mit der Akkustikgitarre vor.
Viel besser. Und es hat mir in der schweren Zeit als Fußballer enorm geholfen. Die Musik war meine Rettung. Dadurch habe ich den Kopf freibekommen, um in der Reha durchzuhalten. Dabei lief sogar schon ein Antrag auf Invalidität.

Was ist das Gute an der Musik?
Du brauchst nichts – außer deiner Gitarre

Trotzdem hast du das Rockprojekt Room 77 ins Leben gerufen.
Weil es noch cooler ist, mit Freunden zusammenzuspielen, sich gemeinsam zu entwickeln und zu verbessern.

Wie habt ihr euch gefunden?
Die Jungs kamen irgendwann mal in München vorbei. Da hab ich gesagt: Lasst uns mal zwei Lieder von der Bloodhound Gang und Placebo spielen.

Und?
(Lacht.) Es hat sich fürchterlich angehört – aber eine Menge Spaß gemacht.

Mittlerweile habt ihr sogar schon eure erste CD produziert.
Das hat sich so ergeben. Ursprünglich hatten wir ja nur einen Song: Different Views. Aber dann hatten wir noch so viele Idee und haben gesagt:  Ist eh wurscht, lasst uns gleich zehn Lieder und eine richtige CD machen. Darauf bin ich auch stolz. Das kann dir keiner mehr nehmen. Diese CD ist auch noch in 20 Jahren da.

Heißt das, Du planst eine Musikkarriere?
So weit ist dann doch noch nicht. Die Musik macht mir riesig Spaß und ist ein toller Ausgleich – aber die nächsten Jahre steht noch ganz klar der Fußball im Vordergrund. Dem ordne ich alles unter.